ANGEBOTE FÜR JUGENDLICHE


WAS passiert bei einer Anzeige?

Anzeige

Wenn Betroffene sich entschlossen haben anzuzeigen, sollten sie zu einer/einem erfahrenen Anwältin/Anwalt gehen. Hier werden sie über ihre Rechte und Pflichten im Strafverfahren informiert, und die Anzeige kann gemeinsam bei der Kripo erstattet werden. Die Anwältin/der Anwalt können auch die Nebenklagevertretung übernehmen. Die Betroffenen haben dann im Prozess eigene Rechte und sind nicht nur Zeugen. Bei der Kripo können sie verlangen, mit einer Beamtin zu sprechen. Die Kripobeamten werden versuchen, dies zu ermöglichen. Vernehmungen können lange dauern, da alles sehr genau erfragt werden muss. Das heisst nicht, dass die Beamten den Betroffenen nicht glauben. Sie sind dazu verpflichtet, um die Taten möglichst gut nachweisen zu können. Es ist nicht möglich, eine Anzeige zurückzuziehen, weil sexueller Missbrauch und Vergewaltigung Offizialdelikte sind, d.h. es besteht ein öffentliches Interesse an der Bestrafung des Täters. Bis zum Prozesstermin können 1-2 Jahre vergehen. Ein langer Zeitraum, in dem Betroffene das Missbrauchserlebnis häufig am liebsten schon vergessen möchten. Dass dieses durch den bevorstehenden Prozess nicht möglich ist, kann sehr belastend sein. Leider muss im Prozess noch mal das ganze Missbrauchsgeschehen zur Sprache kommen, und der Angeklagte ist meistens auch im Gerichtssaal anwesend. Es ist gut, sich vorher eine Strategie für die Aussage zu überlegen, z.B. nur den Richter anzusehen. Es kann sein, dass der Angeklagte nicht verurteilt wird. Das muss nicht heissen, dass die Tat nicht geschehen ist, sondern kann auch heissen, dass sie nicht bewiesen werden konnte,weil Aussage gegen Aussage steht. Für die Betroffenen ist dies trotzdem schlimm.